Big Data spürt Lecks auf

Zusammen mit den Stadtwerken Fellbach (SWF), bei Stuttgart, hat sich die EnBW-Tochter RBS Wave Anfang 2015 aufgemacht, die Leckortung in Wassernetzen zu digitalisieren. Dritter im Bunde ist der spanische Softwareentwickler Bunt-Planet. Heraus kam das „Wasserverlust-Monitoring 4.0“. Als Basis dient das von der RBS wave entwickelte und bei den SWF seit Jahren eingesetzte System „LeakControl“. Dieses beruht auf Ultraschallsensoren, die mit Hilfe eines Hydraulischen Rechennetzmodells an strategisch ausgewählten Punkten des Netzes platziert sind. Ändern sich die Durchfluss-Messdaten, kann die Software Leckagen erkennen und lokal eingrenzen.
Die Online-Überwachung schätzt Rohrnetzmeister Ralf Siegle hier ganz besonders. Morgens von zwei bis vier Uhr werden Daten erhoben. Nach Übertragung und Auswertung stehen sie ab sieben Uhr der SWF-Leitstelle zur Verfügung. Dass sich LeakControl auf „virtuelle Zonen“ stützt und damit keine hydraulischen Netztrennungen nötig sind, sieht er als „weiteren Riesenvorteil im Betrieb“.

Eine Sondersituation im Sommer 2014 brachte ihn jedoch ins Grübeln: Damals hatte die Software ein größeres Leck angezeigt, das aufgrund einer Baumaßnahme sowie einer überlagernden, zweiten Leckage nur sehr schwer genau zu orten war. „könnte man mit ausgefeilten Rechenmodellen nicht viel schneller präzise zum Ziel kommen?“
„Bei uns rannte Ralf Siegle damit quasi offene Türen ein“ erinnert sich RBS Geschäftsführer Erwin Kober. Die letzten Meter bei der Ortung binden bei den Wasserversorgern viele Kräfte – „qualifizierte Mitarbeiter, die erfahrungsgemäß auch an vielen anderen Stellen gebraucht würden“. Deswegen hatte man sich bei der auf Ingenieurdienstleistungen spezialisierten RBS schon Gedanken über eine stärkere IT-Unterstützung gemacht. Wichtiger Baustein auf diesem Weg: eine mithilfe des Rechennetzmodells entwickelte Signaturdatenbank. Darin sind die unterschiedlichsten Szenarien von Leckagen bzw. deren Auswirkung auf das Strömungsverhalten im Netz abgebildet.

Blieb die Frage, wie die Unmenge an Durchflussdaten mit den Szenarien so abgeglichen werden kann, dass tatsächlich valide Ergebnisse entstehen. Auf einer Messe ergab sich „eher zufällig“ der Kontakt zu Vertretern der baskischen Softwareschmiede Bunt-Planet, die sich als Big-Data-Experte entpuppten und „heiß“ auf das Thema waren. im Oktober 2015 war es soweit: Die Cloud-Software auf Basis von Google-Maps stand für das etwa 60 km lange, laut Siegle „durchaus komplexe“ Leitungsnetz im nördlichen SWF-Versorgungsgebiet bereit. Kunden sind nicht nur rund 1000 Haushalte, sondern auch eine Reihe größerer Industrie- und Agrarbetriebe. Schon im ersten Betriebsjahr steht für Siegle fest, dass die automatisierte Eingrenzung des Leckortes zu einer „deutlichen Verkürzung der Lecklaufzeiten“ und damit der Wasserverluste führt. Über den geringeren Aufwand und letztlich die Kostenersparnis freut sich auch SWF Geschäftsführer Gerhard Ammon. „Wir werden den vielversprechenden Weg der Digitalisierung in der Wasserversorgung auf jeden Fall weiter verfolgen.“

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